
Es ist mittlerweile eine Jahre her, als mir mein Freund Fuad in Sarajevo den Rat gab: „Am Morgen musst Du etwas Warmes mit dem Löffel essen. Das bringt Dich gut durch den Tag“. Ich wollte dann mal etwas anderes probieren als die Begova čorba und entschied mich in Hadzibajric ’s Ascinica für eine Tarhana Suppe. Tarhana Suppe ist eine traditionelle Balkan-Suppe, die besonders in Bosnien und Herzegowina seit Generationen zubereitet wird. Die bosnische Tarhana zeichnet sich durch ihren mild-säuerlichen Geschmack und ihre cremige Konsistenz aus und gilt als echtes Hausmannsgericht.
Warum ich das schreibe, obwohl es hier um die Żurek Śląski – Schlesische Sauerteigsuppe geht? In Bosnien wurde mir das erste mal eine säuerliche Suppe serviert, die fermentiertes Getreide enthielt. Später habe ich ähnliche Suppen in der Türkei und im Iran gegessen. Irgendwie sind diese Suppen alle mit einander verwandt und doch unterschiedlich. Ursprünglich waren sie wohl ein Essen für die Armen. Die Zutaten waren billig, der Nährwert hoch.
Nun traf ich vor einigen Tagen meinen Nachbarn, der aus Polen stammt, im Supermarkt für osteuropäische Lebensmittel, wo er unter anderem einen Suppenansatz für Zurek kaufte. Neugierig, wie ich nun einmal bin, habe ich ihn gleich gefragt, was er daraus macht: Zurek Slaski oder „Schlesische Sauerteigsuppe“. Er hat mir auch noch erzählt, was sonst hinein kommt: Kartoffeln, Möhren und polnische Kochwurst. Das Internet hat mich dann vollends aufgeklärt.
Zutaten:
4 Eier, 500 g geräucherte Knochen , 1,5 Liter Wasser, 500 g geräucherter Speck , 200 ml Sauerteig-Roggensuppen-Starter (1 Glas aus dem Supermarkt – oder selbst zubereiteter Sauerteigansatz), 2 große Zwiebeln , 6 Knoblauch Zehen, 10 g Zucker, 10 g Salz, 10 g Pfeffer, 10 g Majoran, 10 g Piment, 500 g Kartoffeln, 1 große Möhre, 500 g schlesische Wurst (zu Weihnachten wird die Suppe mit schlesischen Weisswürsten serviert)
Zubereitung:
Die Eier werden hart gekocht, geschält und beiseite gestellt.
Aus den geräucherten Knochen, Zwiebeln und Knoblauch eine kräftige Brühe kochen. Den Speck nehmen wir nach einer kürzeren Kochzeit heraus, dass er noch herzhaft im Biss ist. Der Rest koch ungefähr 90 Minuten.
Die Kartoffeln kocht man mit der in Scheiben geschnittenen Möhre separat.
Den Sauerteigansatz mit der Brühe aufgießen, die Gewürze zugeben und weitere 30 Minuten kochen lassen. Abschmecken!
Vor dem Servieren läßt man die Wurst, die in Scheiben geschnitten wird, in der Brühe heiß werden und gibt Eier, Kartoffeln und die Möhrenscheiben dazu.
Die Möhre habe ich in keinem Rezept im Internet gefunden, das habe ich von meinem freundlichen Nachbarn. Ich denke, in Polen hat jede Hausfrau ihr eigenes Rezept.
Der fertig gekaufte Suppenansatz war im Prinzip nur ein Sauerteigansatz, der die Grundlage für die Suppe bildet. Der ließe sich auch leicht selber ansetzen.
Von dieser Suppe gibt es viele Variationen. Hier drei Beispiele:
Barszcz biały Żurek – weißer Bortsch
Żurek wird mit Sauerteig aus Roggenmehl zubereitet, er ist intensiv sauer, weißer Borschtsch hingegen mit Sauerteig aus Weizenmehl, er ist milder und feiner im Geschmack. Zu den wichtigsten Zutaten gehören weiße Wurst (roh oder gekocht), Knoblauch, Majoran, Lorbeerblatt und Piment. Die Suppe wird mit Sahne angedickt und serviert mit hartgekochte Eier, Kartoffeln oder Brot serviert.
Barszcz wielkanocny – Osterbortsch
Dieser Borschtsch wurde traditionell zum Osterfrühstück serviert. Er enthält keine Kartoffeln, dafür aber rote Beete und Wurst, die ist ein Muss.
Zalewajka Świętokrzyska – die Königin der polnischen Suppen
Zalewajka Świętokrzyska ist eine aromatische Suppe mit dem Duft von geräuchertem Fleisch und getrockneten Pilzen. Dazu gibt man Kartoffeln und Wurst. Sie ist besonders herzhaft und sättigend. Man kann natürlich auch hier hart gekochte Eier zugeben, ist aber nicht üblich.



